Angst und Liebe

"Vielleicht sollten wir es jetzt mit Liebe versuchen, weil die Angst die letzten zehntausend Jahre wohl keinen Erfolg gebracht hat." Gerald Hüther

Über dieses Zitat hab ich die letzten Tage viel nachgedacht. Ganz grundsätzlich, aber auch in bezug auf die aktuellen gesellschaftlichen Vorgänge. Wie Angst nützlich sein kann und warum wir sie dennoch auf ein Minimum reduzieren sollten. Darum geht es hier und heute.

 

Angst und Liebe. Zwei Gefühle, die vermutlich jeder Mensch kennt. Sie können der Motor für verschiedenste Handlungen sein: verbindende und trennende, verletzende und heilende, intuitive und berechnende. 

Wir gehen Beziehungen ein, wählen Freundinnen aus, treffen Entscheidungen in Bezug auf Gesundheit, Beruf, Familie usw. - manchmal motiviert durch Angst und hoffentlich oft motiviert durch die Liebe.

Nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, was hinter solchen Handlungen, Aussagen oder Empfehlungen steckt, nicht immer ist der handelenden Person bewusst, wodurch er oder sie gesteuert wird.

Drum zahlt es sich aus, einen genaueren Blick darauf zu werfen.

 

Was ist Angst?

 

Das Wort "Angst" stammt vom griechischen Verb "agchein" und dem lateinischen "angere" ab. Beides heißt übersetzt "würgen", "die Kehle zuschnüren". Das beschreibt ganz gut, wie es uns in den letzten Wochen geht, jedenfalls bildlich gesprochen. 

Angst äußert sich körperlich etwa wenn das Herz zu rasen beginnt, die Pupillen sich weiten, unsere Knie schlottern, der Körper Adrenalin ausschüttet und das Blut bindet mehr Sauerstoff. So bereiten wir uns auf kritische Situationen vor, auf Flucht oder Kampf und diese Vorkehrung der Natur kann lebensrettend sein, weil wir auch übernatürliche Kräfte entwickeln. Jedenfalls war das in der Evolution sehr hilfreich. Doch wie viel Angst ist heute noch "notwendig"?

 

Wieviel Angst braucht der Mensch?

 

Leider überkommt die meisten Menschen das unbestimmte Gefühl der Angst (im Gegensatz zu Furcht, die immer auf etwas Bestimmtes gerichtet ist) unfreiwillig und unkontrolliert. Und überwiegender Weise ist es wohl so, dass die Angst uns lähmt anstatt zu mobilisieren.

 

In den letzten Wochen wurde hierzulande und auch anderswo bewusst auf diese Emotion gesetzt um ein bestimmtes Verhalten der Menschen zu erreichen. Das hat, finde ich, ganz gut geklappt und war angesichts der Tatsachen, die so am Tisch lagen, möglicherweise auch in Ordnung. 

Wir haben uns bedroht gefühlt in unserer Gesundheit. Wie real und groß die Gefahr wirklich war und ist, lässt sich leider angesichts der fehlenden seriösen Daten kaum sagen - zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt. (Wir wissen, dass wir nichts wissen.)

Abstand halten, Hygiene Vorschriften befolgen, in Armbeugen niesen, wenn krank daheimbleiben - all diese Dinge lassen sich ja in gewissem Rahmen einhalten oder waren für Viele sowieso selbstverständlich. Das könnte auch freundlich, gelassen und ruhig geschehen.

 

Menschlichkeit wäre angesagt

 

Was mir aber Sorgen bereitet, ist, zu beobachten wie auch die Menschlichkeit, unser Einfühlungsvermögen, unsere Kommunikation, das Miteinander hierbei leidet. Auch wenn wir nicht gleich tot umfallen, weil wir uns kaum noch anlächeln können, werden wir doch recht schnell bemerken, dass uns eines erst recht krank macht: ANGST.

 

Erst recht, wenn unter diesem Titel versucht wird, unsere Grundrechte zu beschneiden. 

Wenn wir uns nicht mehr versammeln dürfen. 

Wenn über unseren Privatraum bestimmt wird. 

Wenn körperliche Unversehrtheit nicht mehr geschützt wird. 

Wenn die Demokratie unter die Räder kommt.

 

Angst ist ein probates Mittel, um uns Dinge schmackhaft zu machen oder unterzujubeln, die uns letztlich sehr viel Leid bringen und gefährlich sind, aber als "sinnvoll" und "notwendig" verkauft werden, weil es jemandes Interessen bedient, die wir nicht so genau kennen.

 

Zeit für ein neues Konzept: Liebe statt Angst

 

Dann wird es Zeit, sich auf etwas zu besinnen, was uns heilt. 


Dann wird es Zeit, sich auf etwas zu besinnen, was stärkt.

Dann wird es Zeit, sich auf etwas zu besinnen, was verbindet.

Dann wird es Zeit, sich auf etwas zu besinnen, was uns lebendig macht.

Dann wird es Zeit, sich auf etwas zu besinnen, was uns mutig macht.

 

In den meisten Fällen ist Angst durch individuelle Prozesse und Erfahrungen erlernt - und die gute Nachricht ist: sie kann auch wieder verlernt, sprich: abgebaut werden.

Das darf auch ein wenig dauern, also brauchen wir vielleicht ein klein wenig Geduld.

Doch es zahlt sich aus, auf Vertrauen zu setzen. Und auf Liebe.

 

Liebe ist eine Bezeichnung für stärkste Zuneigung und Wertschätzung - das sagt zumindest Wikipedia, wenn man danach fragt. Und es stimmt! Mehr als je zuvor ist es jetzt wichtig, Wertschätzung füreinander aufzubringen. Dass wir sehen, dass wir trotzdem umgeben sind von Liebe, von Menschen, die wertvoll sind und für die wir dankbar sein dürfen.

 

Zum Beispiel …

für unsere Kinder, die mit vielleicht fürchterlichem Verhalten nur ausdrücken möchten, dass sie mit der Situation überfordert sind und sich nicht helfen können. 

Sag: "Ich sehe dich. Du bist in Ordnung. Das Rundherum ist grad schwierig."

 

… für unsere Familien, die möglicherweise mehr Reibung, Nähe und Widerspenstigkeiten aushalten müssen, als sonst.

Sag: "Ich merke, dass wir grad viel streiten. Trotzdem gut, dass wir uns haben."

 

… für unsere Partner*in, die den Druck und Stress, unsere Anspannung abbekommen obwohl sie nicht der Grund dafür sind.

Sag: "Ich halt mich gerade selbst nicht aus. Danke, dass du da bist."

 

… für unsere Freundin, die sich das Gejammer ausdauernd anhört und noch so kontroverse Diskussionen mit dir austrägt, weil verschiedene Meinungen sein dürfen.

Sag: "Ich schätze dich, auch wenn du anderer Meinung bist. Danke für die offenen Gespräche."

 

Wir brauchen die Liebe und auch Vertrauen, damit wir unsere nähere und fernere Zukunft gut bewältigen können (im Übrigen auch die Vergangenheit und unsere Gegenwart). 

Wir brauchen sie viel dringender und in viel größerem Ausmaß als die Angst. 

Die Liebe, unsere gegenseitige Wertschätzung und Zuneigung wird uns mutig und lebendig machen, sie wird uns als Gesellschaft verbinden und stärken und heilen, was über lange, lange Zeit hinweg von der Angst kaputt gemacht worden ist.

 

Wir werden sie brauchen, wenn wir die aktuellen Fragen um den Datenschutz, um Impffreiwilligkeit und demokratische Grundrechte verteidigen zu können, weil wir vereint vorgehen werden müssen, wenn wir etwas erreichen möchten.


Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingt, weil ich in meinem Umfeld so Viele habe, die ähnlich ticken und ich daher weiß: WIR SIND VIELE. 

 

Liebe ist stärker als Angst, Hass und Panikmache.

(Und wenn schon Liebe nicht geht, dann zumindest Respekt. Das wär schon mal ein Anfang.)

Lasst uns verbinden, lasst uns zusammen stehen und lasst uns die Liebe nicht verlieren. 

Vor allem nicht die Liebe zum Leben und zu unserer Einzigartigkeit.

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   Kerstin Bamminger

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