Warum das Gras woanders grüner ist.

Noch vor einigen Wochen:


"Hach, so viele Termine. Es ist einfach so stressig. Das ganze Arbeiten und Kinder nebenbei haben find ich schon super anstrengend. Uns bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Ein bisschen Zeit einfach mit der Familie wäre fein. Daheim bleibt einfach alles liegen, momentan komm ich zu gar nix! Das Lebenstempo ist einfach zu hoch, das hält man ja nicht aus ….!"


 

Jetzt, bei Vielen:

"Oh Mann, das viele daheim herumsitzen macht mich ganz wahnsinnig. Ich bräuchte wieder etwas Abwechslung, hier ist es einfach zu langweilig! Du hast es schön, du kannst zur Arbeit gehen! Was soll ich bloß die ganze Zeit tun? Die Kinder nerven schon die ganze Zeit, weil wir einfach zu viel hier gemeinsam rum hängen. Was würde ich geben, für ein paar ruhige Stunden im Büro. Diese Einöde die ganze Zeit, das hält man ja nicht aus ….!"

 

Hmmm. Kommt dir bekannt vor? Also manche dieser Sätze habe ich tatsächlich so gehört und andere stammen aus meinem eigenen Kopf. Wir sind schon lustige Wesen, nicht?! Warum neigen wir derartig dazu, unzufrieden zu sein mit dem, was wir haben? Sind wir wirklich so undankbar und können einfach nicht schätzen, was uns gegeben wird? 

 

Warum ist das Gras immer woanders grüner?

 

Darüber hab ich mir in den letzten Tagen so meine Gedanken gemacht und versucht, Antworten zu finden. Weil die derzeitige Ausnahmesituation uns einige Dinge sehr genau vor Augen führt:

 

Nämlich: dass es erstens auf unsere Haltung ankommt. Und dass wir zweitens Unzufriedenheit und Stolpersteine brauchen, um uns zu entwickeln und weiter wachsen zu können.

 

Was meine ich mit Haltung? Mehr denn je wird uns gerade bewusst, dass wir uns oft unser "altes" Leben zurück wünschen. Ich für meinen Teil würd liebend gern wieder meine erweiterte Familie in den Arm nehmen können, könnte wieder meiner geliebten Arbeit in der Ehevorbereitung oder bei Vorträgen, Workshops und Beratungen nachgehen, wir hätten noch Skifahren gehen können und jetzt das herrliche Wetter für Wanderungen nützen, ich könnte wieder die Montagsyoga-Routine genießen oder einen Mädelsabend verbringen.

Doch alle diese Dinge sind jetzt untersagt und machen etwas mit uns.

Wir werden trotzig und traurig, weil wir dies und jenes nicht "dürfen".

 

Die erste Antwort, die ich also gefunden hab, lautet: sei dankbar für "dein grünes Gras" und schätze, was dir im Moment gegeben ist. Denn das ist das Einzige, was dich glücklich machen kann.

Wirklich glücklich und auf Dauer. 

 

Jetzt ist die Gelegenheit, Zeit mit der Familie zu verbringen.

Jetzt ist die Gelegenheit, durchzuatmen.

Jetzt ist die Gelegenheit, lange Aufgeschobenes zu erledigen.

Jetzt ist die Gelegenheit, sich auszuruhen.

Jetzt ist die Gelegenheit, es langsamer anzugehen.

 

Natürlich kann man nun sagen: ja, es würd schon so passen, wenn diese Einschränkungen nicht wären, wenn wir unsere Familien weiter einladen könnten und nicht so ein schmales Freizeitprogramm zur Auswahl hätten.

 

Ich sag jetzt mal frech: auch wenn es noch so angenehm wäre und alle zeitweiligen Begrenzungen aufgehoben wären - es würd uns bald wieder etwas nicht "passen" und den inneren Nörgler auf den Plan rufen. Also gibt es vermutlich noch eine zweite Antwort auf die Frage, warum das Gras woanders immer grüner ist.

 

Wir sind nämlich nicht dazu geboren, um still zu stehen. Wir Menschen sind geboren, um zu wachsen, uns zu entwickeln und dazu zu lernen. Wenn die Dinge im Umfeld immer glatt laufen würden und wir nie eine Form der Unzufriedenheit spüren könnten, welchen Ansporn hätten wir, uns zu verändern und daran zu reifen? 

Frei nach dem Motto: "Never change a running system!"

Also tun uns Veränderungen wohl doch gut, auch wenn sie sich noch so unangenehm anspüren.

Sie wecken die innere Gestalterin in uns, die sagt: 

 

"Das bekommen wir hin!

Wir finden eine Lösung!


So könnten wir das erledigen!

Ich hab da eine Idee!


Lass uns was Neues ausprobieren!"

 

Manche dieser guten, neuen Ideen sind bereits jetzt, nach weniger als drei Wochen sichtbar geworden und manche werden sich womöglich erst später zeigen. Was immer wir auch als Einzelpersonen oder als Gesellschaft in dieser Phase lernen: wir werden definitiv nach dieser Krise ANDERS sein, weil wir einscheidende Veränderungen erleben. 

Nicht alle Erlebnisse werden positiv sein, soviel steht fest. Es wird kranke und leidende Menschen geben. Es werden Tote zu beklagen sein. Es könnten Menschen traumatisiert zurückbleiben oder jedenfalls völlig ausgebrannt. Das ist womöglich unausweichlich.

 

Opfern wir also nicht diese wertvollen Leben ohne daraus etwas Gutes zu machen.

Es liegt an uns. Wir sind hier. Wir sind lebendig. Wir haben es in der Hand, die Dinge, die schon lange oder erst seit Kurzem schief gelaufen sind, zu verändern. Wir sind diejenigen, die die Zukunft in eine gute Richtung drehen können. Jeder und jede Einzelne von uns.

 

Also: nütze deinen Tag. Entweder um ehrlich dankbar zu sein, für was du hast.

Oder um eine vielleicht notwendige Veränderung auf den Weg zu bringen.

 

Und dazwischen: bleibt gesund! Haltet Abstand! Aber bitte nicht "soziale Distanz", sondern "körperliche"!! ;-)

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Hellena Spitzer (Samstag, 04 April 2020 08:50)

    Super geschrieben! Empfinde ich auch genau so (mich eingeschlossen).

  • #2

    Kerstin Bamminger (Montag, 06 April 2020 10:12)

    Danke, liebe Hellena!

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