Die Mutter ... eine Heldin!?!

Als Heldin bezeichnet man laut Wikipedia eine Frau, die außergewöhnliche Leistungen erbringt - entweder körperlicher oder geistiger Natur. Sie verfügt über heroische Eigenschaften wie Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Mut, Aufopferungsbereitschaft und Tugendhaftigkeit, sie kämpfen für Ideale und zeigen dabei hohe Einsatzbereitschaft für Menschen.

Ein Kind zu gebären, es zu stillen und monate- (oder jahrelang) mit einem Schlafdefizit klarzukommen, ist eine körperliche Höchstleistung. Wir brauchen alle oben genannten Eigenschaften in unserer täglichen Rolle als Mutter - wir setzen uns bis an unsere Belastbarkeitsgrenzen ein, wenn es um unsere Kinder geht, um unsere Familien. 

Am Muttertag ernten wir dann kurz den Applaus für 364 Tage Einsatz. 

So weit ist alles klar - kaum jemand erhebt hier Einspruch.

 

Interessant wird es allerdings, wenn wir über Arbeit, Anerkennung und Selbstbestimmung reden.

 

Wenn wir über ARBEIT reden, meinen wir Erwerbsarbeit, für die man ein Gehalt bekommt. Wir meinen die Zeit, die wir in einem Beruf verbringen, für den wir professionell ausgebildet wurden, wo es eine vertragliche Vereinbarung gibt und wir am Ende eines Monats Wertschätzung in Form von Geld bekommen.

Wie kommen wir eigentlich dazu, die Arbeit einer Mutter derartig abzuwerten? 

Der Beruf der Mutter ist mindestens gleichwertig und gleichwürdig zu jeder anderen Erwerbsarbeit, wenn nicht sogar noch wichtiger, in jedem Fall aber zukunftsprägend. (Die des Vaters übrigens auch.) Kinderbetreuungsaufgaben zu übernehmen ist nicht "Urlaub vom Job" - viele Mütter berschreiben es genau umgekehrt: "Wenn ich arbeitn geh, ist das wie Erholung von daheim!" "Da kann ich Dinge fertig machen und erledigen, es gibt einen Anfang und ein Ende." 

Wir brauchen dringend ein neues Bild, was "ARBEIT" ist und wie wir diese Tätigkeiten honorieren und wertschätzen wollen, denn sonst kommen wir nie zu echter Wahlfreiheit, was Familienmodelle angeht, weil es viel zu oft eine wirtschaftliche Entscheidung ist, wann und in welchem Ausmaß Eltern erwerbstätig sind. Ja, Teilzeitarbeit ist eine Gefahr und die Lücken am Pensionskonto führen vermutlich zu Altersarmut, aber doch nicht weil wir Mütter nicht arbeiten WOLLEN, sondern weil unsere Arbeit nicht entsprechend wertgeschätzt wird - nämlich entlohnt! Wir brauchen nicht den Drill, alle früh wieder in Lohnarbeit zurück zu gehen, sondern neue Modelle der Anerkennung der Familienarbeit bzw. Carearbeit.

 

Wenn wir über SELBSTBESTIMMUNG der Frau reden, meinen wir: sie müsse früh die Möglichkeit haben, wieder in ihren Beruf einzusteigen. Dem folgt der laute Ruf nach mehr und längerer institutioneller Kinderbetreuung verbunden mit der Annahme, dass alle Frauen das ehest möglich tun wollen. Denn: die armen Mütter müssen ja so lang hinter dem Herd ausharren. 

Wie kommen wir dazu, uns allen dieses Modell überzustülpen? 

Selbstbestimmung sollte vielmehr heißen, dass wir eben selbst bestimmen dürfen!

Was wir wollen, 

was wir gut finden und 

wofür wir uns entscheiden 

und dass es eben NICHT eine Luxus-Entscheidung sein sollte, Kinderbetreuungsaufgaben selbst zu übernehmen. Wirtschaftliche Argumente sollten niemals die menschlichen schlagen und Frauen (und Kinder!!) in eine Doppelbelastung drängen, obwohl sie etwas Anderes lieber hätten. 

 

Ich wünsche mir, dass man laut sagen darf, dass man gern Familienarbeit übernimmt.

Ich wünsche mir, dass man laut sagen darf, dass diese Arbeit sinnstiftend ist.

Ich wünsche mir, dass man laut sagen darf, dass auch diese Entscheidung selbstbestimmt sein kann (und wir nicht von unseren Männern gezwungen werden ;-)!).

 

Ich sehe so viele kluge, gut ausgebildete, reflektierte und tolle Frauen in meinem Umfeld und in meinen Workshops, die sich viele Gedanken zum Thema Begleitung und Beziehung mit Kindern machen. Viele von ihnen haben mehr pädagogisches Gespür im kleinen Finger als so manche Lehrerin oder Kindergartenpädagogin, die ich kennengelernt habe und ich finde eindeutig, dass diese Form der Arbeit in der Familie mehr wert sein sollte. 

Durch die vorgepredigte Marschrichtung "alle Frauen zurück in den Job" bewerten wir Erwerbsarbeit höher als Familienarbeit und das ist unfair.

 

Wenn wir über ANERKENNUNG reden, dann sind wir ganz schnell bei den Frauen, die uns vorleben, wie "Kind und Karriere" geht und erklären sie dann zu Nachahmungsmodellen. Soll ich ehrlich sein? Ich kann es nicht mehr hören.

Wir brauchen die menschlichen Erfolgsgeschichten, von denen, die mutig genug waren, sich gegen Trends und gesellschaftliche Vorgaben zu entscheiden. Mütter, die sich gut überlegt haben, "wie will ich das denn haben … mit meinen verschiedenen Rollen" und bewusst und individuell Wege gehen, die nicht von Politik und Wirtschaft bereitet wurden, sondern die manchmal steinig sind, aber dafür den eigenen Überzeugungen entsprechen und sich an dem Wertekompass orientieren, dem man folgen will. Diese Entscheidungen betreffen Mütter und Väter gleichermaßen. Es braucht auch Diskussionen auf Augenhöhe, ebenbürtig, gleichwürdig und gleichwertig, wie die Aufteilung von Arbeit und Zeit gelingen kann. 

Wir wollen unsere Berufe leben, etwas gestalten, haben Ziele in unserer Erwerbstätigkeit und möchten diese erreichen. Und wir brauchen GLEICHZEITZIG die Anerkennung in finanzieller und rechtlicher Hinsicht für Familienarbeit, die wir leisten.

 

Im Übrigen trifft diese geschlechtermäßig ungleiche Bewertung von Arbeit auch die Väter enorm, denn die sind auch in vorgeformte Rollen gepresst und können sich oft nicht dafür entscheiden, wenn sie etwas Anderes wollen. Ich bin überzeugt, dass auch viele Väter sich echte Wahlfreiheit wünschen würden und mehr Chancen, sich in der Familienarbeit einbringen zu können, ohne dabei wirtschaftlich schlecht auszusteigen, weil sie nun mal diejenigen mit dem besseren Gehalt sind und daher für den größeren Teil des Familieneinkommens Sorge tragen.

 

Es liegt an uns. Wir sind diejenigen, die jetzt Weichen stellen können für die Zukunft.

Dafür, dass wir GLEICHWERTIG auf Familienmodelle schauen.

Dass wir GLEICHWERTIG über Familienmodelle sprechen.

Und dass sie GLEICHWERTIG anerkannt werden.

Damit Mütter und Väter GLEICHWERTIG nebeneinander stehen können und ihren Kindern vermitteln:

wir sind beide GLEICH viel WERT, gleich gut und gleichwürdig - jeder von uns kann etwas Anderes gut und diese persönlichen, individuellen Stärken von Frauen und Männern können zusammen zu unabhängigen, zufriedenen, und überzeugten Lebensmodellen als Familie führen.

 

Wir brauchen Lösungen! Welche Idee hast du, um Familienarbeit aufzuwerten??

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Sabine Ruttnigg-Felder (Freitag, 18 Oktober 2019)

    Dieses Thema beschäftigt mich seit ich Kinder habe- Danke Kerstin!!! Kurzfassung: weg mit allen Beihilfen!! Staatsentlohnung(wie zb Polizei, Gericht, BH, ....) wir liefern“überspitzt“ Staatsbürger und somit die nächsten Steuerzahler! Den Kindergarten, Musikschule, Krabbelgruppe uvm zahlen wir selber. Der Staat spart sich den enormen Beihilfen Dschungel und die Kindereinrichtungen. Die Eltern hätten wirkliche Wahlfreiheit! Kind und Geld in gute Hände oder gute Eigenbetreuung. Schade ist: momentan wird alles finanziert was nicht die Erziehungsberechtigten leisten. Pension wäre somit automatisch geregelt! Pensionsplitting ist ein guter Ansatz- dann würds Männer u Frauen gleich betreffen und es käme Wind in die Sache! Wieso wird unsere Pension in „dem Zeitraum“ halbiert im Vergleich zu Kinderlosen? Kurz zur Staatsentlohnung: bis zu 4 Jahren 100% Danach prozentual nach unten. Zb wenn’s Kind 5 ist 60%entlohnung mit 6 50% Entlohnung usw. Somit kann der betreffende immer mit zusätzlicher Lohnarbeit auf 100% kommen. Genaue Details würden die Kurzfassung sprengen. �- Grüße Sabine

  • #2

    Kerstin (Dienstag, 29 Oktober 2019 11:06)

    Liebe Sabine ... danke für diese vielen Ideen. Besonders interessant finde ich deine Überlegung in punkto Pensionssplitting: stimmt - dann haben beide weniger davon, dass sie Kinder gezeugt haben. Das sind Ungerechtigkeiten, die aufhören müssen. Ich bin jedenfalls voll bei dir und unterstütze jede Form der Aufwertung von familiärer Arbeit. Vielleicht sprechen wir mal im echten Leben ausführlich darüber bei einem Glaser :-)

   Kerstin Bamminger

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