Familienidylle. (Urlaub, Teil 2!)

Vor der UNKRAUTphilosophie ging's ja hier um das Thema Urlaub. Weiter gedacht um das Thema Familienzeit und wie man die gut und gemeinsam planen und gestalten kann.

 

Nicht nur (aber auch) durch den sub-optimalen Urlaub auf Sardinien haben wir gelernt. Und die Erfahrungen bis hier und heute zeigen relativ sicher, was man berücksichtigen sollte, wenn man gemeinsame Zeit gestalten möchte.

 

BEDÜRFNISSE BESPRECHEN

 

Geht es um freie Zeit als Familie, ist es sinnvoll, sich vorab darüber Gedanken zu machen, was man braucht und was man möchte in diesen oft so kostbaren Stunden, Tagen oder Wochen. Je mehr Personen in einem Haushalt leben, je älter die Kinder werden und je größer der Altersunterschied zwischen den Jüngsten und Älteren besteht, desto weiter klaffen oft Interessen, Wünsche und Bedürfnisse auseinander. 

Es ist sehr oft ein echter Drahtseilakt diese Ansprüche zu balancieren und gleich vorweg: oft genug können nicht alle Bedürfnisse befriedigt werden. 

Zunächst mal braucht es aber Gelegenheit und Raum, wo alle Beteiligten äußern können, was sie sich von der Familienzeit (egal ob Wochenende, Urlaub oder nur ein gemeinsamer Nachmittag) erwarten, welche Wünsche sie haben und welche Ideen. Und es geht um die Kinder und die Eltern! Somit zeigen wir ihnen: menschlich sind wir ebenbürtig und ebenwürdig, wir sind alle gleich wichtig.

 

STEUER ÜBERNEHMEN

 

Dann kommt der Teil, vor dem sich (in meiner Beobachtung) oftmals Eltern drücken oder den Kindern unbewusst zu viel Verantwortung übertragen. Die Entscheidung, was passiert.

Eltern sind diejenigen, die sozusagen die Kapitäne des Schiffs sind. Sie steuern und lenken das "Familienschiff" und wissen über Möglichkeiten, Risiken und Gefahren des Gewässers bescheid. Die Kinder sind Passagiere, die mitreden und argumentieren dürfen und sollen. Was aber dann wie, wann und wo umgesetzt wird, braucht die Elterninstanz. Auch, weil man sich dadurch nicht bei allen "Passagieren" gleichermaßen beliebt macht.

Besonders, wenn (wie oben gesagt) die Wünsche weit auseinander liegen. Wenn zwischen Ruhe und Aktivität, Neuem und Bekanntem, Einfachem und Aufwändigem entschieden werden soll, dann geht sich meistens nicht alles aus. 

 

GLEICHWÜRDIGKEIT HERSTELLEN

 

Elterliche Weitsicht, Achtsamkeit, Abwägung und Rücksichtnahme gehören dazu, wenn es um langfristige Balance und Gerechtigkeit in Punkto Bedürfnisse geht. UND: GANZ WICHTIG! Die Möglichkeit bzw. das Recht der Kinder, eine Idee der Eltern nicht gut zu finden (weil diesmal das eigene Bedürfnis oder der Wunsch zu kurz kommt). UND: das Recht der Eltern, auch mal "falsche Entscheidungen" zu treffen (wir lernen und lernen und lernen dazu). 

Wenn nicht alle Wünsche erfüllt werden können, ist das beziehungsorientierte Minimum: "Ja, ich sehe/höre, dass du dich ärgerst oder frustriert bist. Du hättest lieber etwas anderes gemacht. Es ist okay, wenn du sauer bist."  … und nicht: "… wir haben das aber so entschieden und jetzt freu dich doch bitte einfach mit uns!"

Oder: "Ja, das war verkehrt, wie wir das entschieden haben. Wir nehmen die Erfahrung und versuchen, es ein anderes Mal besser zu machen."

 

Ich weiß.

Das so zu schreiben ist hundertmal einfacher als ein bockendes Kind auf einer Wanderung mit zu zerren.

Oder den griesgrämigen Partner im Wohnwagen auszuhalten.

 

Nicht alle in der Familie können und müssen immer alles gut finden. Wir Eltern nicht, dass wir das Steuer übernehmen und in der Verantwortung stehen und die Kinder nicht, dass manchmal auch Entscheidungen gegen ihr Bedürfnis / ihren Willen getroffen werden.

 

Als Gemeinschaft braucht es (manchmal Minimal-)Kompromisse, das Aufeinander-zugehen und auch das sich-gegenseitig-aushalten. Das klingt schöner als es ist. In der Realität sind das finstere Gesichter, trübe Mienen, stampfende Füße und auch öfter widerwilliges Geschrei. 

Das alles ist Ausdruck dafür, dass Kinder an den Rand ihrer Kooperationsbereitschaft gekommen sind.

 

Wenn es uns gelingt, LANGFRISTIG eine Balance zu schaffen, lernen Kinder nicht nur, dass Bedürfnisse gehört und gesehen werden sondern dazu auch: so etwas wie Frustrationstoleranz, Rücksichtnahme und Teamfähigkeit. 

Und diese Fähigkeiten brauchen wir neben vielen, vielen anderen für ein gelingendes Miteinadner.

Egal ob in Familie, Beruf, Kindergarten, Schule, in der Nachbarschaft … oder: im Urlaub.

 

Also dann! Wie geht ihr mit Urlaubswünschen um? Was versucht ihr zu berücksichtigen?

Lasst uns voneinander lernen! 

 

 

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   Kerstin Bamminger

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